Er aß allein in Barcelona zu Abend, als die Kellnerin auf ihn zukam und sagte:

Sie bauten gemeinsam das Imperium auf, planten, gemeinsam Kinder zu haben, und träumten davon, gemeinsam in dem Landhaus alt zu werden, das sie mit eigenen Händen renoviert hatten.

„Darf ich Ihnen noch etwas Wein einschenken, mein Herr?“, fragte eine sanfte Stimme auf Spanisch mit katalanischem Akzent.

Gael blickte von seinem Teller auf und begegnete dem Blick einer jungen Kellnerin, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Sie war schlank, etwa 23 Jahre alt, mit braunem Haar, das zu einem ordentlichen Dutt hochgesteckt war, und zarten Gesichtszügen, die ihn vage an jemanden erinnerten, den er aber nicht genau einordnen konnte. Sie trug die schwarze Restaurantuniform professionell, doch irgendetwas in ihren Bewegungen ließ vermuten, dass sie schon bessere Zeiten erlebt hatte.

„Ja, bitte“, antwortete Gael und schob ihr sein Glas zu. „Es ist ein ausgezeichneter Ribera del Duero.“

Die junge Frau lächelte, während sie den Rotwein einschenkte. „Meine Mutter sagte immer, die besten Weine erzählen Geschichten aus dem Land, in dem sie entstanden sind.“

Irgendetwas an diesem Satz veranlasste Gael, sie genauer anzusehen. Es war nicht die Art von Bemerkung, die er von einer jungen Kellnerin erwartet hätte, sondern eher etwas, das jemand mit echten Weinkenntnissen sagen würde.

„Ihre Mutter hat einen guten Geschmack“, bemerkte Gael.

„Sie arbeitete in der Branche.“ Der Gesichtsausdruck der jungen Frau verdüsterte sich leicht. „Sie arbeitete in jungen Jahren in Weingütern, noch bevor ich geboren wurde. Sie sprach immer von Weinbergen, als wären sie Lebewesen.“

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