Bei der Anklageverlesung saß ich hinter der Staatsanwaltschaft, Lilys Ehering an einer Kette um den Hals. Jason schlurfte in Handschellen und einem orangefarbenen Overall herein. Er wirkte nicht mehr mächtig – nur noch klein.
Als er vorbeiging, zischte er: „Emily, sag es ihnen. Sag ihnen, ich wollte nicht …“
Ich stand da, meine Stimme zitterte, aber sie war fest. „Du hast deine Geliebte zur Beerdigung meiner Schwester mitgebracht“, sagte ich. „Du hast das alles ernst gemeint.“
Er schaute weg.
Monate später wurde die Stiftung endgültig errichtet. Da es kein Kind gab, das sie erben konnte, ging alles an mich über, genau wie Lily es geplant hatte. Ich fühlte mich nicht glücklich, sondern belastet, als trüge jeder Dollar die Last ihres Lebens.
Ich zog in Lilys Haus und veränderte es. Ich strich das abgenutzte Treppenhaus neu, installierte hellere Lampen und verwandelte das ungenutzte Kinderzimmer in einen sicheren Ort – wo Frauen aus Frauenhäusern Hilfe, Rat oder einfach nur Gehör finden konnten.
Manche Abende sitze ich am Küchentisch, Lilys Brief vor mir ausgebreitet. Sie hatte nicht nur ein Testament aufgesetzt.
Sie entwarf einen Fluchtplan – nur für den Fall, dass sie es nicht schaffen würde, zu entkommen.