Bei der Beerdigung meiner Tochter beugte sich mein Schwiegersohn zu mir und flüsterte:

Ohne Laura wirkte der Raum leer. Als hätte ihre Abwesenheit die Wände selbst entleert und nur Möbel und Fotos zurückgelassen, die steif in einem Raum standen, der uns beiden nicht mehr gehörte. Als ich an ihrem Zimmer vorbeiging, stand die Tür halb offen. Ich blieb stehen, stützte eine Hand auf den Rahmen und betrachtete das Bett, in dem sie als Teenager geschlafen hatte, nun ordentlich gemacht und unberührt.

Ich konnte ihre Stimme fast wieder hören. „Papa, warum klopfst du immer zweimal? Ich habe dir doch schon gesagt, dass du reinkommen sollst.“

Ich trat ein und stand schweigend da. Ihr Parfüm hing noch schwach in der Luft, vermischt mit dem Geruch von Waschmittel und dem von alten Büchern im Regal. Auf dem Schreibtisch stand ein gerahmtes Hochzeitsfoto von ihr und Daniel – ihr Lächeln strahlend, seine Haltung stolz.

Auf dem Nachttisch stand ein kleineres Foto: Laura, acht Jahre alt, auf meinen Schultern am Strand, die Arme weit ausgebreitet wie Flügel. Ich hob es vorsichtig auf.

Später holte ich in meinem Zimmer einen kleinen Koffer hervor. Ich packte nur das Nötigste ein – Kleidung, Socken, Unterwäsche und den Pullover, den sie mir einmal geschenkt hatte, weil ich, wie sie scherzhaft meinte, für ihre Geschäftsveranstaltungen „etwas Anständiges“ brauchte. Dazu kamen noch meine Unterlagen, die ich immer ordentlich in einer Mappe aufbewahrte: mein Ausweis, Kontoauszüge und ein paar Verträge.

Dann legte ich das alte Strandfoto darauf.

Alles andere – die Möbel, die Bücherregale, der abgenutzte Sessel, in dem ich immer las, während sie und Daniel fernsahen, die Küchenutensilien, die ich mir beim Einzug für das Baby angeschafft hatte – all das war unwichtig. Es ging nur ums Gewicht, und ich hatte keine Lust, mich darüber zu streiten.

Ich habe vor dem Weggehen das Bett gemacht. Wohl aus Gewohnheit. Dann ging ich in die Küche und legte die Hausschlüssel auf den Tisch. Sie erzeugten ein leises, scharfes Geräusch, das auf dem Holz widerhallte.

An der Haustür blieb ich stehen und sah mich ein letztes Mal um. Das Haus war nur schwach beleuchtet, lediglich die kleine Flurlampe erhellte es. Familienfotos zierten die Wand – Laura mit ihrem Sohn im Arm, Daniel lächelnd in die Kamera, die drei zusammen neben einem Weihnachtsbaum. Auf ein, zwei der älteren Fotos war ich auch zu sehen, etwas abseits wie eine Nebenfigur.

„Leb wohl, meine Kleine“, flüsterte ich. „Ich hoffe… wo immer du auch bist, du musst diesen Teil nicht sehen.“

Dann trat ich hinaus, schloss die Tür und ging weg.

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